23. Februar 2011, 20 Uhr, Komische Oper Berlin, Foyer

Märchen – Traum – Phantasie
ein Konzert zur Premiere der Oper Rusalka


Trapèze - ein vergessenes Ballett von Sergej Prokofiev

Der Schöpfer der wohl bekanntesten und schönsten Ballettmusiken des 20. Jahrhunderts - genannt seien nur
Romeo und Julia und Cinderella - hat hier ein Meisterwerk der Gattung vorgelegt, das seine späteren Erfolge in diesem Genre bereits ankündigt. Die Musik entstand 1924 als Auftrag des „Romantischen Balletts“ von Boris Romanov, eines seit 1921 in Berlin lebenden russischen Choreographen: Für eine Tournee durch deutsche und italienische Städte wurde ein Stück gesucht, das eine Zirkusgeschichte zur Grundlage haben und sich an die kleine instrumentale Besetzung des „Tourneeorchesters“ halten sollte - Oboe, Klarinette, Violine, Viola und Kontrabass. Durch verschiedene Umstände wie mangelnde Finanzen, Intrigen der Prima-Ballerina etc. kam es nicht zur geplanten Tournee 1924, sondern erst im folgendem Jahr. Da aber Prokofiev das für diesen Anlass geschriebene Werk nicht unbedingt an das Schicksal der ungesicherten Aufführung durch die Kompagnie knüpfen wollte, entschloss er sich in der Zwischenzeit zu einer konzertanten Fassung des Werks für eine anstehende Aufführung in Moskau. Diese Version hat als Quintett op. 39 bis heute überlebt; sie umfasst die Sätze 3-8 der vollständigen Ballettmusik Trapèze. Und genau die beiden im Ballett vorangestellten Teile waren seit den Aufführungen 1925 verschollen. Die Premiere des Werks fand am 6. November 1925 im Landestheater Gotha statt, Kritiker berichten im „Gothaischen Tageblatt“ von diesen Aufführungen.

Rechtzeitig zum 50. Todestag des Komponisten hat Noëlle Mann, Kuratorin des „Serge Prokofiev Archive“ (London), in großartiger Kleinarbeit das Puzzle um das Ballett Trapèze zusammengesetzt und es der Öffentlichkeit vorgestellt. Um der ursprünglichen Idee des Werks wieder näher zu kommen, haben wir nach der konzertanten Deutschen Erstaufführung dieser rekonstruierten Fassung durch ensemble unitedberlin versucht, eine szenische Ergänzung zu diesem farbigen Werk Prokofievs zu finden: Claudia Esslinger hat eine Video-Realisation geschaffen, die wir Ihnen an diesem Abend vorstellen möchten.